Die Karriere war perfekt: Eugene O’Kelly stieg auf zum CEO der Beratungsfirma KPMG, er galt als einer der führenden Business-Köpfe des Landes und hatte Einfluß, Geld und Ansehen. Im Alter von 53 Jahren und auf dem Höhepunkt seines Wirkens dann die erschütternde Diagnose: Gehirntumor – Lebenserwartung noch wenige Monate. In den verbleibenden dreieinhalb Monaten zwischen Diagnose und Tod reflektiert O’Kelly sein Leben und setzt seine Prioritäten radikal neu. In dem Wissen, nicht mehr mit allen Menschen in seinem großen Netzwerk Zeit verbringen zu können, priorisiert er in einer bewegenden Skizze seine wichtigsten Beziehungsfelder. Im Zentrum: seine Frau und seine Tochter.

Zwischen Anspruch und Realität

In seinem Buch „The Emotionally Healthy Leader“ schreibt Peter Scazzero: Wenn ich Führungskräfte frage: Was ist das Wichtigste in deinem Leben? sagen viele „Ehe und Familie“. Wenn ich dann frage, wie viel Zeit sie in Partner und Kinder investieren, kommen diese ziemlich weit hinten auf der Agenda… Die meisten sehen ihre Ehe – oder ihr Single-Dasein – lediglich als Fundament für etwas Wichtigeres: Beruf und Karriere. Konsequenterweise investieren sie ihre Zeit und Energie vor allem darin, bessere Manager zu werden und ihre Führungskompetenzen auszubauen, anstatt in ihre Ehe und Familie zu investieren…

Eines habe ich Führungskräfte noch nie sagen hören: „Wenn ich zurückschaue bedauere ich, dass ich zu viel Zeit mit meinem Partner und meinen Kindern verbracht habe…“

In vielen Jahren der Begleitung und Beratung von Führungskräften hab ich eines noch nie gehört: „Wenn ich zurückschaue bedauere ich, dass ich zu viel Zeit mit meinem Partner und meinen Kinder verbracht habe“. Das Gegenteil davon allerdings höre ich oft. Ein Freund, früher erfolgreich tätig in großen Entwicklungshilfe-Projekten, schreibt: „Vor Kurzem wurde ich gefragt, was ich anders machen würde, wenn ich mein Leben wiederholen könnte. Ich musste kurz nachdenken. Dann aber war meine Antwort eindeutig: Ich würde weitaus weniger Wert legen auf den Erfolg – dafür umso mehr auf die Liebe zu meiner Frau und meinen Kindern…

Es beginnt mit einem Espresso

Ein Manager, der die Wichtigkeit dieses Themas für sich erkannte, berichtete mit Freude, wie sehr seine Frau es schätzen würde, dass er sich neuerdings nach dem Mittagessen noch einige Minuten Zeit nimmt, um mit ihr eine Tasse Espresso zu trinken. Das tut seiner Frau gut, ihm gut, ihrer Ehe gut und wirkt positiv in die Familie. Wow! So einfach kann Leben sein. Ein Abend zu Zweit, mit gutem Essen und ohne Handy; die Verabredung mit dem Partner (mindestens) so wichtig wie das Business-Meeting mit dem Key-Account; den Kindergeburtstag unverrückbar in die Agenda eintragen; … Durch praktisches Handeln vom Wunsch zur Wirklichkeit aufbrechen – so geschieht positive Veränderung.

Was tun bei Scheitern?

Fakt ist, dass Beziehungen scheitern und Ehen auseinander gehen. Was dann? In jedem Fall den Tatsachen ins Auge schauen; nicht verdrängen sondern sich stellen; Verantwortung übernehmen für eigene Fehler; dem anderen vergeben und selbst um Vergebung bitten; aus der Vergangenheit lernen und neue Perspektiven entwickeln. Und ab sofort besser machen: wir leben nach vorne, ein neuer Anfang ist möglich.

 

Die Stiftung Leaders‘ Integrity Foundation fördert und stärkt die Integrität von Führungskräften. Dazu gehören unbedingt die wichtigsten Beziehungen. Deshalb bietet LIF unter anderem Coaching und Mentoring sowie Ehe-Time-Out-Tage – speziell für Menschen in Verantwortung.