In ihrem Buch „Gute Führung“ (BrunoMedia-Verlag, 2012) beschreiben Burkhard Schwenker (damals Chairman der Roland Berger Strategy Consultants) und der Wirtschaftsjournalist Mario Müller-Dofel Management-Fehler, die Firmen häufig scheitern lassen. Gleiches lässt sich auf die persönliche Ebene übertragen. Die genannten Fehler sind häufig Ursache dafür, dass Führungskräfte bezüglich Karriere und Lebenserfolg unter ihren Möglichkeiten bleiben und im Extremfall sogar abstürzen…

1. Frühwarnsignale werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt!

Auf der persönlichen Ebene: ein inneres Unbehagen / Unzufriedenheit mit der beruflichen Position oder Lebenssituation. Oftmals viele Monate oder Jahre, ohne dass wir uns diesem Unbehagen stellen. Wir leiden, statt zu handeln! Vielleicht sendet der Ehepartner oder die Kinder schon lange Warnsignale, die wir hartnäckig überhören – bis die Koffer vor der Tür stehen (ist nicht so lustig, wie es klingt – das Thema liegt in Coachings desöfteren auf dem Tisch…). Körperliche Frühwarnsignale – zu hoher Blutdruck, schlechter Schlaf, Stresssymptome etc. – die wir nicht ernst genug nehmen. Das Problem: jedes Warnsignal, das dauerhaft verdrängt wird, führt in eine ernste Krise…

 

2. Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert

Wann haben wir das letzte Mal unser Lebensmodell reflektiert? Viele Führungskräfte klagen über zu viel Beschäftigung und zu wenig Zeit. Unser Problem ist aber nicht zu wenig Zeit, sondern zu wenig Klarheit. Wie das Auto immer wieder zum TÜV muss, sollten auch wir unser Lebensmodell und unsere Aktivitäten immer wieder auf den Prüfstand stellen. Warum tue ich, was ich tue? Kann ich in meinen vielfältigen Aufgabenbereichen die gewünschte Wirkung erzielen? Ist das wirklich (heute) für mich dran? Versuche ich nur, die Erwartungen anderer zu erfüllen oder bewege ich mich wirklich in meinem „Sweet-Spot“, d.h. in der Schnittstelle dessen, was ich gut kann und was ich liebe zu tun?

 

Unser Problem ist nicht zu wenig Zeit, sondern zu wenig Klarheit!

 

3. Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren

Wer traut sich, für seine Werte und Überzeugungen einzutreten, auch wenn es (vermeintlich) Nachteile bedeutet? Wer wagt es, einem Abendessen mit dem Partner oder Geburtstag der Kinder höhere Priorität einzuräumen, wenn der Chef zum gleichen Zeitpunkt ein Meeting ansetzt? Oft ducken wir uns weg – wenn es um die wirklich wichtigen Dinge geht – und leiden leise vor uns hin. Übrigens: Harvard-Professor Clayton M. Christensen sagt: Es ist leichter, seinen Prinzipien zu hundert Prozent zu folgen als nur zu 98 Prozent. Was sind meine unverhandelbaren Prinzipien? Für was bin ich bereit, einen Preis zu bezahlen? Think about…

 

4. Bei Veränderungen wird zögerlich gehandelt – Aktionismus statt konkreter Maßnahmen

Frei nach dem Motto: Wenn die Richtung verloren geht, wird die Geschwindigkeit verdoppelt… Das hat mit Punkt 1 und 2 zu tun. Die richtigen Fragen stellen, Klarheit gewinnen und dann konkrete Maßnahmen (Umsetzungsschritte) statt Nebelkerzen. Kleine Schritte – konsequent umgesetzt – sind besser als großer Aktionismus, der viel Staub aufwirbelt und wenig nachhaltig verändert. Z. B. sich selbst ernst nehmen / die eigenen Bedürfnisse berücksichtigen / Freiräume schaffen / in Beziehungen investieren / strategische Aktivitäten wie Sport, Reflexion, Time-Out´s, Inspiration, Lesen, Ruhezeiten etc.

 

5. Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie

Eine Vision ist ein Bild von der Zukunft, das begeistert. Was ist meine (Lebens-)Vision? Wo will ich hin? Was begeistert mich? Wofür schlägt mein Herz? Das Ziel muss die Strategie bestimmen. Ohne Ziele keine Strategie, ergo Unklarheit. Irgendwann funktionieren wir dann gut, haben aber aufgehört zu leben. Ich habe immer wieder mit (im Hinblick auf Karriere und Einkommen erfolgreichen) Führungskräften zu tun, die beklagen, dass sie auf dem anspruchsvollen Weg der Karriere sich selbst verloren haben…

 

Diese 5 Punkte immer wieder in den Blick zu nehmen hilft uns, auf Kurs zu bleiben und sowohl unsere Unternehmen als auch unser Leben erfolgreich zu gestalten.

 

Johannes Grassl ist Ermutiger und Verbesserer aus Leidenschaft. Als Coach, Speaker und Autor ist er mit Führungskräften unterwegs – www.johannesgrassl.com. Er leitet die Stiftung Leaders‘ Integrity Foundation – www.lif.ch – die Räume schafft zur Stärkung und Förderung von Führungspersonen.