Change Management (deutsch Veränderungsmanagement) heißt, Strukturen, Systeme, Prozesse oder Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern. Der Duden definiert Change Management mit „Initiieren, Leiten und Durchführen von grundlegenden Veränderungsprozessen“, das Oxford Dictionary beschreibt den Begriff mit „The management of change and development within an organization“. Change Management aber braucht es nicht nur auf unternehmerischer oder organisatorischer Ebene, sondern auch im persönlichen Leben. Viele Führungskräfte wünschen sich Veränderung – z.B. mehr Freiräume, Effektivität, Fokus, oder schlicht „Lebensqualität“. Wie kann das Management dieser gewünschten Veränderungen auf der persönlichen Ebene gelingen?

Drei Viertel aller Change-Projekte scheitern –
auf unternehmerischer wie persönlicher Ebene!

In ihrem Artikel „Warum Change-Management scheitert“ (Harvard Business Manager Juni 2018) analysieren die Autoren Anand Narasimhan (Professor für Global Leadership am IMD in Lausanne) und Jean-Louis Barsoux (Senior Research Fellow am IMD) in einer mehrjährigen Studie Dutzende Transformationsprozesse in Firmen und Organisationen rund um die Welt. Ihre Erkenntnisse lassen sich sehr gut für das Selbstmanagement und die Lebenskompetenz von Führungskräften nutzen. Egal, ob es um kleine Anpassungen im Lebensstil (z.B. mehr Zeit für Sport oder Hobbys) oder um die großen Fragen (Wie finde ich den passenden Job? Wofür will ich leben?) geht.

Nicht die Umsetzung ist das Problem, sondern die mangelhafte Analyse!

Oft meint man, das Scheitern von Change-Projekten liege an fehlerhafter Umsetzung. Das ist aber nur teilweise richtig. Die Untersuchungen der Autoren zeigen, dass grundsätzliche Fehleinschätzungen im Vorfeld des Veränderungsprozesses genauso dafür verantwortlich sind. Bevor sich Manager Gedanken darüber machen, wie eine Transformation abläuft, müssen sie sich erst einmal darüber klar werden, was genau eigentlich verändert werden soll. Auf das eigene Leben bezogen heißt das: den persönlichen Lebensentwurf auf den Prüfstand stellen. WAS will ich eigentlich verändern? Und WARUM?

Das Hauptproblem vieler Menschen ist nicht zu wenig Zeit. Sondern zu wenig Klarheit!

Aus dem diffusen Unbehagen („ich sollte etwas verändern„) muss Klarheit werden. Stellen Sie sich die Frage: Was soll in meinem Leben verändert werden – und warum? Wo stehe ich heute – und was wünsche ich mir konkret? Was soll zukünftig konkret anders sein? Im Coaching klagen Führungskräfte immer wieder über zu wenig Zeit und zu viele Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Ich sage ihnen dann, dass das Problem nicht zu wenig Zeit ist, sondern zu wenig Klarheit und Fokus. Wenn ich meine Prioritäten, Ziele und mein „Kerngeschäft“ nicht genau analysiert und geklärt habe, bin ich relativ offen dafür, vereinnahmt und im Endeffekt missbraucht zu werden. Der Zeitmangel ist dann eine Folge davon…

 

Wie ein persönlicher Change-Prozess aussehen kann

1. Klare Analyse

Veränderung steht und fällt mit gründlicher Überlegung und einer klaren Bestandsaufnahme. Es geht darum, sich der Realität zu stellen – sowohl der Ist-Situation als auch dem gewünschten Soll-Zustand. Dabei helfen die richtigen Fragen. Was will ich verändern und warum? Die beste Umsetzung hat keinen Erfolg, wenn das Ziel falsch oder nicht klar ist.

2. Umsetzungsschritte definieren

Was ist zu tun, damit die gewünschte Veränderung verwirklicht wird? Wichtig sind klare Entscheidungen („Ich entscheide, das jetzt zu tun!„) und kleine Siege – das heißt machbare und überschaubare Umsetzungserfolge! Veränderung geschieht in der Regel schrittweise. Eine der Transformationsfallen in Unternehmen liegt darin, dass zu viele Aufgaben gleichzeitig in Angriff genommen werden. Das überfordert. Gleiches auf persönlicher Ebene: besser Schritt für Schritt in die richtige Richtung als sich zu viel vornehmen.

Was uns weiterbringt: Klare Entscheidungen und kleine Siege!

3. Dran bleiben

Mein Mentor in Afrika sagte: in der Mitte eines jeden Prozesses liegt seine schwierigste Phase. Oft beginnen wir mit Enthusiasmus, geben dann aber auf, wenn die Mühen der Ebene kommen. Deshalb ist es wichtig, dran zu bleiben. Hilfreich dabei sind persönliche Time-Out-Zeiten, in denen man immer wieder Ist- und Soll-Situation reflektieren und anpassen kann. Im genannten Artikel kommen die Autoren zu dem Fazit, dass „die Fähigkeit, sich zu wandeln, zum einzig nachhaltigen Wettbewerbsvorteil wird“. Es ist immer besser, proaktiv zu agieren, als erst auf eine Krise zu reagieren.

 

Johannes Grassl bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Businesskompetenz und Lebenskompetenz. Er liebt es, Führungskräfte zu stärken und zu ermutigen. Außerdem liebt er eine Tasse Espresso – vor allem mit seiner Frau.