Leben wir oder werden wir gelebt? Jeder von uns steht irgendwie in beidem. Wie aber bringen wir Potenzial und Position zusammen und kommen damit mehr ins Leben? Eine einfache Grafik hilft.

Jeder Mensch steht – wie jedes Unternehmen – in einem Spannungsfeld zwischen Potenzial und Position. Das Wort Potenzial kommt vom lateinischen potentialis und bedeutet soviel wie noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten. Das Potenzial eines Menschen umfasst seine Stärken und Talente, die persönlichen Träume und Zukunftsvorstellungen. Gleichzeitig hat jeder auch eine bestimmte Position. Die Position beschreibt das tatsächliche Leben, den Status Quo, die momentanen Umstände, Verantwortlichkeiten und (vermeintlichen) „Sachzwänge“. Der Grad der persönlichen Zufriedenheit und Wirksamkeit hängt davon ab, Potenzial und Position möglichst in Übereinstimmung zu bringen. Die folgende Matrix macht das deutlich.

 

 

Wer sein Potenzial kennt, dieses aber nicht umsetzt, träumt sein Leben. Wer eine starke Position hat, vielbeschäftigt und ständig ausgebucht, dabei aber sein Potenzial aus den Augen verliert, der wird gelebt. Je mehr Potenzial und Position in Übereinstimmung kommen, desto mehr bewegen wir uns in dem Feld der Matrix, für das wir geboren wurden.

Das Potenzial wird auf dem Altar der Position geopfert

In ganz vielen Fällen wird das persönliche Potenzial auf dem Altar der Position geopfert. Wir sind zu beschäftigt und haben keine Zeit. Für unsere wichtigsten Beziehungen; für unsere eigenen Bedürfnisse; für Träume, die in uns vor sich hin schlummern. Charaktereigenschaften, Kreativität, Abenteuerlust, Vitalität gehen verloren. Aussage der Ehefrau eines Managers, der nach Jahrzehnten in der „Gelebt-werden-Mühle“ langsam aus dem Hamsterrad ausstieg: Langsam wirst Du wieder der, den ich vor vierzig Jahren geheiratet habe

Wie beginnen?

Es beginnt mit den richtigen Fragen. In welches Feld der Matrix würde ich mich spontan einordnen? Was sagt mein Bauch: Lebe ich oder werde ich gelebt? Habe ich den Eindruck, in meiner momentanen beruflichen Position am richtigen Platz zu sein? Kann ich die Wirkung erzielen, die ich mir wünsche? Wofür schlägt eigentlich mein Herz? Wenn ich tun könnte, was ich will, was würde ich dann tun? Die Wahrheit ist: Jeder von uns bewegt sich in jedem der vier Quadranten. Wir haben Träume (hoffentlich!); wir werden gelebt (das gehört zum richtigen Leben – sollte nur nicht zu viel werden…); manches in uns ist abgestorben (das sollten wir reanimieren); und es gibt Bereiche, in denen wir uns lebendig fühlen. Dieses Leben-Feld gehört ausgebaut – Schritt für Schritt.

Die Tsunami-Erkenntnis

Überlebende der Tsunami-Katastrophe von 2004 berichten von drei Gedanken, die ihnen im Augenblick des vermeintlichen Todes plötzlich bewusst wurden. Erstens die Bedeutung ihrer wichtigsten Beziehungen, verbunden mit der Erkenntnis, sie hätten mehr in andere Menschen investieren sollen. Zweitens die Frage nach dem Sinn, verbunden mit der Feststellung, dass das bisherige Leben nicht alles gewesen sein kann. Drittens das Thema Prioritäten. Viele erkannten, dass ihre Prioritäten falsch gesetzt waren und ordneten ihre Lebensziele.